Engadiner Dorf · Graubünden
Tarasp
Eine 1040 auf einem Felsriegel erbaute Burg und ein Dutzend Weiler, verstreut über dem Inn im Unterengadin.
Tarasp liegt am rechten Ufer des Inn im Unterengadin, am Fuss der Sesvennakette, auf rund 1403 Metern. Ein geschlossenes Dorf ist hier nie entstanden: Der Ort besteht aus einem Dutzend Weiler — Fontana, Vulpera, Nairs, Sparsels, Aschera, Avrona, Chaposch, Chants, Florins, Sgnè, Vallatscha —, verteilt über Terrassen und Geländestufen rund um den Felsriegel, den die Burg krönt. Die Aufzählungen stimmen in der Zahl nicht überein: zehn in der einen, elf in der anderen, je nachdem ob Nairs dazugerechnet wird. Im Süden steigt das Gebiet zum Piz Pisoc an, dessen Höhe mit 3173 wie mit 3174 Metern angegeben wird. Seit dem 1. Januar 2015 ist Tarasp keine Gemeinde mehr: Es fusionierte mit Ardez, Guarda, Ftan und Sent zur Gemeinde Scuol.
Die Burg entsteht 1040 auf einem Felsen, der den Talgrund beherrscht. Die Herrschaft geht von den Herren von Tarasp an die Grafen von Tirol über, dann an die Habsburger, die sie 1463 kaufen: Tarasp wird damit zur österreichischen Enklave innerhalb des Freistaats der Drei Bünde. Sie bleibt es bis 1803, als letzter österreichischer Besitz auf Schweizer Boden, bevor sie dem Kanton Graubünden zugeschlagen wird. Diese Geschichte hat eine bis heute sichtbare Spur hinterlassen: Wo das Unterengadin zur Reformation überging, blieb Tarasp katholisch. Die Trennung von der Pfarrei Scuol ist 1559 vollzogen; die Dreifaltigkeitskirche in Fontana wird von 1674 bis 1678 von Blasius Ploirer über den Fundamenten eines Baus von 1567 errichtet.
Im 19. Jahrhundert tun die Mineralquellen das Ihre. 1845 eröffnet in Vulpera das erste Hotel, 1865 entsteht in Nairs das Kurhaus, und von 1874 bis 1876 baut der Architekt Bernhard Simon am Innufer eine Trinkhalle, deren achteckige Kuppel die Quellen Bonifacius, Lucius und Emerita fasst. Das Grand Hotel Waldhaus, am 8. Juni 1897 in Vulpera eröffnet und mit Sgraffiti überzogen, brennt 1989 ab. Die Burg wechselt die Hand, ohne zu verfallen: Um 1900 vom Industriellen Karl August Lingner gekauft und restauriert, gehört sie seit März 2016 dem Künstler Not Vital.
Warum dieser Ort bemerkenswert ist
Tarasps Eigenart kommt von einer politischen Anomalie, die zur religiösen wurde: 1463 von den Habsburgern gekauft, blieb die Herrschaft österreichisch und katholisch, mitten in einem zur Reformation übergetretenen Tal, bis zur Abtretung 1803. Im Gelände heisst das: eine barocke Pfarrkirche in Fontana, eine Burg von 1040 auf ihrem Felsen und eine Gemeinde, die nie ein Hauptdorf besass — nur Weiler, einer nach dem anderen am Hang.
Geschichte und Ursprung
Schalensteine bei Sgnè weisen auf eine frühe Anwesenheit hin, doch vor dem 11. Jahrhundert ist keine Siedlung belegt. Damals gründen Herren aus der Gegend des Comersees die Herrschaft und errichten 1040 die Burg. Nach dem Aussterben ihres Geschlechts wird das Gut 1239 tirolisches Lehen und geht 1463 an die Habsburger über. 1687 an die Fürsten von Dietrichstein verkauft, wird die Herrschaft 1803 an die Schweiz abgetreten und Graubünden zugeschlagen. Die Kurzeit beginnt Mitte des 19. Jahrhunderts und endet mit dem Ersten Weltkrieg; der Tourismus setzt erst ab den 1970er-Jahren wieder ein.
Was man tun und sehen kann
- Zum 1040 auf seinem Felsen erbauten Schloss aufsteigen, das über den Talboden wacht.
- Zwischen den verstreuten Weilern — Fontana, Vulpera, Nairs, Sparsels und den anderen — die Dreifaltigkeitskirche in Fontana suchen, von 1674 bis 1678 von Blasius Ploirer erbaut.
- Den Trinkpavillon mit achteckiger Kuppel besichtigen, von 1874 bis 1876 von Bernhard Simon am Ufer des Inn erbaut, in dem die Quellen Bonifacius, Lucius und Emerita gefasst sind.
- Die Überreste des Grand Hotel Waldhaus entdecken, 1897 in Vulpera eröffnet und mit Sgraffiti bedeckt.
Als Paar
- Zum 1040 erbauten Schloss auf seinem Felsen über dem Inn aufsteigen.
- Bei der barocken Dreifaltigkeitskirche in Fontana innehalten, zwischen 1674 und 1678 erbaut.
- Den Trinkpavillon mit achteckiger Kuppel von 1874-1876 besichtigen, die einzige sichtbare Spur der Thermalquellen.
- Von einem Weiler zum anderen ziehen, Fontana, Vulpera, Nairs, und sich die religiöse Anomalie vorstellen, die Tarasp lange zu einer katholischen und österreichischen Enklave machte.
Standort
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