Uhrmacherstadt · Neuenburg
La Chaux-de-Fonds
Nach dem Brand von 1794 im Schachbrettmuster wiederaufgebaut, steht die Stadt im Neuenburger Jura seit 2009 als Uhrmacher-Städtebau auf der Welterbeliste.
La Chaux-de-Fonds füllt ein breites Tal des Neuenburger Juras, knapp 1000 Meter hoch und ohne Oberflächenwasser: ein Ort, dem nichts anzusehen war, dass er die zweitgrösste Gemeinde des Kantons tragen würde, mit 37 600 Einwohnern Ende 2024. Der Plan ist von den Höhen aus mit blossem Auge zu lesen — lange parallele Strassen entlang der bestbesonnten Talflanke, im rechten Winkel von Querstrassen geschnitten. Diese Zeichnung, nicht ein einzelnes Gebäude, brachte der Stadt im Juni 2009 gemeinsam mit dem benachbarten Le Locle die Aufnahme in die Welterbeliste der UNESCO ein, unter dem Titel des Uhrmacher-Städtebaus.
Der Begriff meint etwas Genaues: eine Stadt, deren Form von einem einzigen Handwerk diktiert wurde. Die Uhrmacherei setzte sich hier bei Bauern durch, die in den langen Wintern ein Zusatzeinkommen suchten, und wurde mit dem établissage zur eigenständigen Industrie — jener Arbeitsteilung zwischen Werkstätten, die Daniel Jeanrichard zugeschrieben wird. Die danach errichteten Häuser fassen Wohnung und Werkstatt in denselben Baukörper, mit breiten Fenstern auf der Lichtseite. Die Stadt gab dem Jugendstil eine eigene Spielart, den Style sapin, und hier wurden Le Corbusier, Blaise Cendrars, der Autobauer Louis Chevrolet und der Segler Laurent Bourgnon geboren.
Nichts davon läge so vor Augen ohne die Nacht vom 4. auf den 5. Mai 1794, in der das Feuer 52 Häuser, die Kirche und ihren Turm verzehrte, ohne ein einziges Todesopfer, und 175 Familien auf die Strasse setzte. Der Wiederaufbau folgte dem Riss des Graveurmeisters Moïse Perret-Gentil: rechtwinklige Strassen, ein öffentlicher Platz in der Mitte — die heutige Place de l'Hôtel-de-Ville — und danach die vom Ingenieur Charles-Henri Junod fortgeführte Erweiterung im Schachbrett. Karl Marx sah in dieser Verbindung von Städtebau und Monoindustrie eine « Manufakturstadt ».
Warum dieser Ort bemerkenswert ist
Der Schachbrettplan bleibt eine Eigenheit unter den Schweizer Städten, und er verdankt sich keiner monumentalen Absicht: Er entstand aus dem Brand von 1794 und aus den Bedürfnissen einer einzigen Industrie. Strassen, die das Sonnenlicht suchen, Häuser, in denen die Werkstatt den Raum der Wohnung teilt — dieses Gefüge, nicht ein einzelner Bau, hat die UNESCO 2009 zusammen mit Le Locle aufgenommen.
Geschichte und Ursprung
Bis 1656 gehörte der Ort zur Meierei Valangin; in jenem Jahr wurde er eine eigenständige Gemeinde. Das Feuer von 1794 löschte das hölzerne Dorf aus, und die Stadt, die an seine Stelle trat, wuchs mit der Uhrmacherei, bis sie eigene Verbindungen verlangte: Die erste Eisenbahnlinie des Kantons verband 1857 Le Locle mit La Chaux-de-Fonds, 1860 folgte Neuenburg durch den Tunnel des Loges, 3259 Meter lang und damals der längste Eisenbahntunnel der Schweiz. Auch die jüngere Geschichte kennt Brüche: Am 24. Juli 2023 fegte ein später als superzellular eingestuftes Gewitter in wenigen Minuten über die Stadt, mit gemessenen Böen von 217 km/h und zahlreichen abgedeckten Dächern.
Was man tun und sehen kann
- Von der Höhe aus den schachbrettartigen Grundriss der Stadt betrachten, nach dem Brand von 1794 wiederaufgebaut.
- Die Gebäude erkennen, die Werkstatt und Wohnung im selben Volumen unterbringen, mit breiten Fenstern zur Lichtseite hin.
- Nach den Spuren des Style sapin suchen, der lokalen Variante des Jugendstils.
- Die Place de l'Hôtel-de-Ville orten, Zentrum des von Moïse Perret-Gentil nach 1794 gezeichneten Grundrisses.
Mit der Familie kommen: was zu wissen ist
- Die Stadt liegt auf fast 1000 Metern Höhe; die Quelle nennt durchschnittlich 126,9 Frosttage pro Jahr.
Als Paar
- Durch die langen, parallelen Strassen gehen, die angelegt wurden, um die Sonne am Talhang einzufangen.
- An der Place de l'Hôtel-de-Ville verweilen, dem Herzen des nach dem Brand von 1794 wiederaufgebauten Grundrisses.
- Macht euch gemeinsam auf die Suche nach den Fassaden im Style Sapin, der lokalen Variante des Jugendstils.
- Diskutiert beim Spaziergang durch die schachbrettartigen Strassen über Karl Marx' Formulierung von dieser «Fabrikstadt».
Das Klima ist das einer Höhenstadt: im Mittel 126,9 Frosttage im Jahr, und die Strassenverbindung nach Neuenburg über den Pass Vue des Alpes kann im Winter mühsam sein.
Standort
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