Weiler und Ruine · Jura
Löwenburg
Deutschsprachiger Weiler von Pleigne (JU), Burgruine aus dem 13. Jahrhundert und Wehrhof aus dem 16., seit 1956 von einer Basler Stiftung restauriert.
Löwenburg ist ein Weiler der Gemeinde Pleigne im Kanton Jura und bildet für sich allein den deutschsprachigen Teil einer ansonsten französischsprachigen Gemeinde, benachbart den deutschsprachigen Gemeinden Ederswiler und Roggenburg. In Spornlage auf einem Plateau über dem Lützeltal, auf 585 Metern Höhe, an einem alten Juraübergang zwischen dem Südelsass und der Pierre-Pertuis-Route von Basel nach Biel gelegen, vereint er eine Burgruine aus dem 13./14. Jahrhundert und einen Wehrhof aus dem 16. Jahrhundert, beide im kantonalen und eidgenössischen Denkmalschutzregister verzeichnet. Ein lokales Museum stellt die Geschichte des Ortes dar.
Die ältesten menschlichen Spuren des Geländes, aus der Mittel- und Jungsteinzeit, belegen den Abbau und die Verarbeitung von Silex. Die Burg, gemäss archäologischen Befunden zunächst im späten 10. Jahrhundert als Holzbau errichtet, wird 1271 erstmals urkundlich erwähnt. Kurz vor 1200 als einfache Ringmauer in Stein ausgeführt, wird sie Mitte des 13. Jahrhunderts vollständig umgestaltet zu einer sowohl verteidigungsmächtigen, in massivem Bruchsteinverband, als auch repräsentativen Festung mit Sandsteinarbeiten, Ziegeldächern und Kachelöfen. Nach vollständigem Brand vor 1300 sofort wiederhergestellt, wird sie durch das Basler Erdbeben von 1356 erneut beschädigt, wobei Bergfried und Zisterne wiederaufgebaut werden; kleinere Ausbauten geschehen noch im 15. Jahrhundert.
Im Besitz einer Sundgauer Adelsfamilie, die spätestens 1235 einen Löwen im Wappen führte — woraus sich der Name des Ortes ableitet —, gehen Burg und Hof Mitte des 13. Jahrhunderts als Lehen an die Grafen von Pfirt, im 14. Jahrhundert an die Herzöge von Habsburg. Kurz nach 1360 fallen sie durch Heirat und Erbgang an die Basler Ritterfamilie Münch von Münchenstein. Aus Geldnot verkaufen die Münch den Besitz 1526 an das Kloster Lützel, das die Festung verfallen lässt, aber um 1585-1600 den Gutshof zu einer Wehranlage mit Wohntrakt, Kapelle und Torturm ausbaut — ein Vorhaben, das nach dem Unfalltod von Abt Beatus Papa 1597 ein Torso bleibt. Der Konvent von Lützel nutzt das Hofgut später als Zufluchtsstätte während des Dreissigjährigen Kriegs, und mehrere seiner Mönche werden in der Kapelle begraben, die allerdings nie den Status einer Pfarrkirche erhält; Löwenburg selbst wird nie eine Propstei des Klosters.
Nach dem Untergang des Fürstbistums Basel und des Klosters Lützel während der Französischen Revolution gelangt der Besitz zunächst in Staatsbesitz, ab 1796 allmählich in private Hände. 1956 kauft die Christoph Merian Stiftung Basel das Hofgut samt Ruine und lässt es 1963-1966 umfassend restaurieren. Der Landwirtschaftsbetrieb wird seit den 1960er-Jahren ununterbrochen weitergeführt, und ein 1961 in der alten Käserei eingerichtetes, 1995-1996 renoviertes lokalgeschichtliches Museum zeigt unter anderem ein Papstsiegel als eines seiner wertvollsten Stücke.
Warum dieser Ort bemerkenswert ist
Löwenburg verdankt seine Eigenart einem seltenen architektonischen Doppel: einer Burgruine aus dem 13. Jahrhundert, die schon im späten 10. Jahrhundert als Holzbau gegründet wurde, und einem befestigten Renaissance-Gutshof, der nach dem Unfalltod seines Auftraggebers 1597 ein Torso blieb. 1956 von einer Basler Stiftung erworben, die ihn in den 1960er-Jahren umfassend restaurierte, bleibt das Anwesen bis heute ein aktiver Landwirtschaftsbetrieb samt lokalem Museum — und der einzige deutschsprachige Weiler einer ansonsten französischsprachigen Juragemeinde.
Geschichte und Ursprung
Die Burg wird zunächst im späten 10. Jahrhundert als Holzbau errichtet, dann kurz vor 1200 in Stein; Mitte des 13. Jahrhunderts wird sie vollständig zu einer verteidigungsmächtigen und repräsentativen Festung umgebaut, vor 1300 durch Brand zerstört und wiederaufgebaut, bevor das Basler Erdbeben von 1356 Bergfried und Zisterne erneut beschädigt. Als Lehen an die Grafen von Pfirt und dann die Herzöge von Habsburg übergegangen, fällt der Besitz kurz nach 1360 an die Münch von Münchenstein, die ihn 1526 aus Geldnot an das Kloster Lützel verkaufen. Dieses lässt die Festung verfallen, unternimmt aber um 1585-1600 den Bau einer Wehranlage, die nach 1597 ein Torso bleibt. Die Christoph Merian Stiftung Basel erwirbt das gesamte Anwesen 1956 und lässt es 1963-1966 restaurieren.
Was man tun und sehen kann
- Die Ruine der Höhenburg aus dem 13.-14. Jahrhundert erkunden, auf einem Sporn über dem Plateau mit Blick auf das Lützeltal.
- Den befestigten Bauernhof aus dem 16. Jahrhundert, der nach 1597 unvollendet blieb, mit der benachbarten mittelalterlichen Festung vergleichen.
- Das lokale Museum in der ehemaligen Käserei besuchen, das unter anderem ein päpstliches Siegel zeigt.
Mit der Familie kommen: was zu wissen ist
- Die Anlage vereint Ruine und befestigten Bauernhof auf demselben Gelände, mit einem überschaubaren lokalen Museum für historische Orientierung.
Als Paar
- Zum Felssporn der Löwenburg hinaufsteigen, für den Blick auf das Lützeltal und den alten Jurapass.
- Sucht gemeinsam nach den Spuren der aufeinanderfolgenden Wiederaufbauten der Burg, die vor 1300 abbrannte und später durch das Basler Erdbeben von 1356 beschädigt wurde.
- Bei der Kapelle des befestigten Bauernhofs verweilen, wo mehrere Mönche des Klosters Lucelle begraben liegen.
Standort
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