Dorf · Val Rovana, Tessin
Bosco/Gurin
Das höchstgelegene Dorf des Tessins, auf 1506 Metern zuhinterst im Val Rovana, und die einzige Gemeinde des Kantons deutschsprachiger Tradition.
Bosco/Gurin schliesst das Val Rovana ab, einen Seitenast des oberen Vallemaggia, rund 35 Kilometer nordwestlich von Locarno. Das Dorf liegt auf 1506 Metern, das Gemeindegebiet steigt bis auf 2856 Meter am Pizzo Biela. Was zuerst auffällt, sind die Dächer: breite Steinplatten, schuppenartig verlegt, über weiss verputzten oder in dunklem Holz gefügten Häusern, die sich den Hang entlangdrängen. Der Turm der Kirche St. Jakob und St. Christophorus, deren Kern ins 13. Jahrhundert zurückreicht und die 1581 neu erbaut wurde, markiert die Mitte.
Das Dorf entstand aus einer Wanderung. Walser gründeten die Siedlung im 13. Jahrhundert und brachten eine alemannische Mundart mit. Zwei Wege werden in derselben Darstellung genannt, ohne miteinander in Einklang gebracht zu werden: eine Zuwanderung aus dem Oberwallis oder eine Zuwanderung aus dem italienischen Val Formazza um 1240. Das Ergebnis steht ausser Streit: Bosco/Gurin blieb die einzige Gemeinde des Tessins deutschsprachiger Tradition, und die Abgeschiedenheit, die bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts anhielt, bewahrte der Mundart altertümliche Züge.
Die Bevölkerungszahlen erzählen den Rest. Das Dorf zählte 1858 noch 420 Einwohner, 1955 deren 220, 2005 noch 72. Die Sprache folgte demselben Verlauf: Laut den eidgenössischen Volkszählungen waren 82 Prozent der Einwohner im Jahr 1970 deutschsprachig, im Jahr 2000 noch 33 Prozent. Der Weg über den Pass der Guriner Furka überquert nach wie vor den Grat ins Wallis.
In einem Haus des Dorfes ist das Walserhaus untergebracht, ein Museum der Walserkultur; in der Kirche bewahrt die Südkapelle einen Rokoko-Altar und eine Marienfigur. Seit den 1970er-Jahren kommt ein nach Osten ausgerichtetes Skigebiet hinzu, dessen Reiz eher in der Hochgebirgslandschaft und der Abgeschiedenheit liegt als in der Grösse der Anlagen. Hinauf führt die Strasse durch das Val Rovana, bedient von einer Buslinie ab Cevio.
Warum dieser Ort bemerkenswert ist
In Bosco/Gurin lässt sich eine mittelalterliche Wanderung noch in der Sprache und in den Dächern lesen. Von Walsern gegründet und 1253 erstmals schriftlich erwähnt, blieb das Dorf die einzige Gemeinde des Tessins deutschsprachiger Tradition; die Abgeschiedenheit, die bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts anhielt, bewahrte der Mundart Formen, die das Alemannische anderswo verloren hat. Auf 1506 Metern ist es zugleich das höchste Dorf des Kantons — und 2005 lebten dort noch 72 Menschen.
Geschichte und Ursprung
Die Erwähnung von 1253 ist keine Gründungsurkunde, sondern eine Weihe: Sie hält fest, dass die Dorfkirche von einem Priester des Minoritenordens geweiht wurde, der zur Kirche San Giorgio in Locarno gehörte, und sie nennt den Ort Lo Busco de Quarino. Die politische Zugehörigkeit änderte sich später als die Sprache: Von 1798 bis 1803 gehörte die Gemeinde zum Kanton Lugano, danach zum Tessin.
Was man tun und sehen kann
- Die Dächer des Dorfes betrachten, breite Steinplatten, die wie Schuppen auf weiss verputzten Häusern oder dunklen Holzbauten liegen.
- Das Walserhaus besuchen, ein Museum, das der Walserkultur gewidmet ist, aus der das Dorf entstand.
- Dem Pfad zum Guriner-Furka-Pass folgen, der den Grat ins Wallis überquert.
- In der Kirche den Rokoko-Altar und die Marienstatue in der Südkapelle suchen.
Mit der Familie kommen: was zu wissen ist
- Das Dorf liegt mit 1506 Metern am höchsten im Tessin, und das Gemeindegebiet steigt bis auf 2856 Meter am Pizzo Biela.
Als Paar
- Durch die einzige deutschsprachige Gemeinde des Tessins gehen, im 13. Jahrhundert von Walsern gegründet.
- Den Glockenturm der Kirche St. Jakob und St. Christoph betrachten, 1581 auf einem Kern aus dem 13. Jahrhundert wiederaufgebaut.
- Die Strasse durchs Val Rovana bis zum abgelegenen Dorf nehmen, 35 Kilometer nordwestlich von Locarno.
Standort
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